Mann (35) entdeckt neue Funktion an seinem Fahrrad – was dann passierte, werden Sie nicht glauben

Sven Hansen aus Hannover ist leidenschaftlicher Fahrradfahrer. Mit seinem elektrisch verstärkten Rennbike rast der Junior Customer Super Consultant täglich zur Arbeit. Doch neulich entdeckte er eine Funktion an seinem Rad, die er für unmöglich gehalten hatte.
„Ich war total erstaunt“ erklärt Sven gegenüber Blind-Text. „Ich trat das Pedal nach hinten und das Rad wurde langsamer und blieb sogar stehen.“
Sven ist von dieser Funktion so begeistert, dass er ihr einen eigenen Namen gegeben hat. „Ich nenne es langsam fahren“. Seitdem, so erklärt Sven, springen die Passanten auf dem Bürgersteig nicht mehr wie wild nach links und rechts, wenn er auf seinem Lieblings-Radweg, dem Bürgersteig entlanggondelt.
Sven will sein Bike jetzt weiter untersuchen. „Es gibt zwei Dinge, die ich noch vermisse“ erklärt der junge Biker gegenüber Blind-Text: „So ein Dings, dass im Dunkeln leuchtet wäre cool, so eine Art Taschenlampe vorne am Fahrrad. Und noch so ein Dings, damit ich die Passanten auf mich aufmerksam machen kann, so eine Art Glocke an meinem Fahrradlenker. Ich bin schon ganz heiser davon, die Leute anzubrüllen, damit sie aus dem Weg gehen.“ Blind-Text wünscht dem Biker viel Erfolg bei seiner Suche.

Endlich – CAPTCHAs werden zum sinnvollen Spam-Test

Wer kennt das nicht, tanzende Buchstaben vor buntem Hintergrund erhöhen seit Jahren den Knobelspaß im Internet. Ganze Familienabende sollen schon mit dem Lösen der bunten Bildchen verbracht worden sein. Wer braucht da noch memory oder Wetten dass…? Und auch wenn man nicht zur erhofften E-Mail-Adrese, zum Kauf des Tickets oder zum Gewinn des iPhone niX kam, die sinnfreien Zeichencodes aus Bild oder Ton waren doch immer unterhaltsam. Vor allem Blinde und Schwerhörige haben sich ordentlich amüsiert, indem sie entnervt ihren PC kurz und klein schlugen.
Doch nun ist Schluss mit Lustig, wie Blind-Text aus verlässlicher Quelle erfuhr. Auch den Captcha-Anbietern ist nämlich nach Milliarden Dollar teuren Studien und Billionen falscher Eingaben durch Menschen aufgegangen, dass automatische Bots besser in der Lage sind, Captchas zu lösen als Menschen. Die fixen Jungs aus Silicon Valley haben sich deshalb überlegt, den Anti-Spam-Mechanismus einfach umzukehren. Künftig heißt es: Wenn Du das lesen respektive verstehen kannst, bist Du ein Bot. Dann gibts keine kostenlose E-Mail-Adresse, keine Nackedei-Bildchen und kein iPhone niX. Nur, wer den Code falsch eingibt – also richtig – ähm, also ihr wisst schon, bekommt den heißen Preis.
Blind-Text sagt: Bravo Jungs! Es kann nur noch einige Jahrzehnte dauern, bis man im Valley kapiert, was Farbkontraste, benannte Schaltflächen und Labels für Formulare bedeuten. Aber wie wir sehen, zahlt sich Geduld aus.
Wie barrierefrei sind CAPTCHAs

Mein Rückblick auf das #bcbn18

Wie immer war es mir ein Vergnügen, auf dem Barcamp Bonn dabei gewesen zu sein. Die Stimmung ist immer sehr gut und allmählich ist es wie ein zu groß geratenes Klassentreffen. Die Lokation der Hochschule Bonn Rhein Sieg ist gut gewählt.
Wie immer gibt es auch einen Rückblick auf die einzelnen Sessions, die ich besucht habe. Ich verlinke die Twitter-Accounts der Speaker, soweit vorhanden und für mich auffindbar. Falls jemand falsch verknüpft wurde, gern Bescheid sagen. Im Sessionplan stehen in der Regel leider gar keine oder nur die Vornamen.
Die erste Session drehte sich um das Thema eLearning. Die Dikskussion drehte sich hauptsächlich um den Sinn und Unsinn von Lernvideos. Außerdem wurde deutlich, dass große Learning Management Systeme wie Moodle für die meisten Zwecke zu komplex sind. Viele Aufgaben ließen sich auch mit Learnpress für WordPress erledigen.
Die zweite Session von Johannes drehte sich um unterschiedliche Fragen der digitalen Bildung. Es lief auf die Kernfrage hinaus, wie man MINT-Themen für Mädchen und junge Frauen attraktiver machen kann. Als Fazit würde ich mitnehmen, dass die Szene sich in Bonn stärker vernetzen möchte. Es gibt viele einzelne Leuchtturmprojekte, die den jeweils anderen Aktiven nicht bekannt sind und deshalb wenig genutzt werden. Johannes hat vor, die Szene etwa mit einem Stammtisch besser zu vernetzen.
Die dritte Session drehte sich um Home-Schooling. Ich bin nicht von der Sinnhaftigkeit überzeugt und war es auch nach der Session nicht. Die Schule hat tausend Probleme, die lassen sich aber nicht lösen, indem man seine Kinder zuhause behält.
Session Nr. 4 von @scribophil handelte über die Frage, wie man Arbeitnehmer finden kann. Der Mangel an Fachkräften ist ein allgemeines Problem. Die Unternehmen des Mittelstandes sind aber zu konservativ in ihrer Art, nach geeigneten Bewerbern zu suchen.
Die fünfte Session von @domingos2 drehte sich um das Thema Inklusion und Bildung. Wie immer schlecht vorbereitet überließ der Moderator den Anderen das Reden. Es kamen im Wesentlichen zwei Fragen auf: Wie kann man behinderte Menschen im Ehrenamt einbinden. Das ist ein schwieriges Thema, da es fürs Ehrenamt oftmals keine finanziellen Hilfen oder Assistenzen gibt. Wir einigten uns darauf, dass behinderte Menschen am besten wissen, welche Hilfen sie benötigen und was sie leisten können. Eine generelle Lösung gibt es nicht. Vielmehr ist Improvisation gefragt und möglich.
Die zweite Frage drehte sich um das Schulsystem. Ein Vater berichtete, dass seine Söhne in einer Klasse mit zwei verhaltensauffälligen Kindern beschult wurden. Dabei habe es zweifellos viele Probleme gegeben. Doch habe es im Großen und Ganzen gut funktioniert. Ein Teilnnehmer verwies darauf, dass die starke Leistungsorientierung in der Schule zu einer der Kernprobleme nicht nur für behinderte Schüler gehört. Und schon waren 45 Minuten vorbei.

Der Charme der Gleichmäßigkeit

Ein häufiges Missverständnis in der Barrierefreiheit besteht darin, dass man Text möglichst groß und Ton möglichst laut anbieten sollte, damit Hör- und Sehbehinderte glücklich sind.
Bei diesen Behinderungen lässt sich wenig verallgemeinern, da die konkreten Auswirkungen von Seh- und Hörbehinderungen sehr unterschiedlich sind. Ein wichtiger Faktor ist aber, dass die Adaptionsfähigkeit häufig eingeschränkt ist. Auge und Ohr können sich normalerweise recht schnell an Wechsel der Helligkeit oder Lautstärke anpassen. Bei Behinderten ist diese Fähigkeit oft eingeschränkt. Sie brauchen wesentlich länger für die Anpassung. Das ist dann ärgerlich, wenn diese Anpassung häufig notwendig ist.
Extrem wird das Ganze, wenn man mit Verstärkung arbeitet. In der klassischen Musik etwa gibt es häufig Wechsel zwischen lauten und leisen Passagen. Ein Hörbehinderter müsste bei jedem Wechsel den Lautstärkeregler anpassen. Das ist dann schwierig, wenn er die Lautstärke ohnehin schon stärker aufgedreht hat, als ein Hörender das machen würde. Wer mit einer starken Textvergrößerung am Bildschirm arbeitet, müsste bei jeder Änderung der Schriftgröße die Darstellungsgröße anpassen.

Was heißt das konkret?

Für Designer bedeutet das, dass wir mit möglichst geringen Größenänderungen schriftlicher Inhalte arbeiten sollten, insbesondere bei Fließtext. Die Größenänderungen sollten möglichst graduell sein, natürlich noch erkennbar, aber mit geringer Varianz.
Für die Toningenieure heißt das, sie sollten möglichst wenig Dynamik bei der Lautstärke einsetzen. Leise Stimmen können natürlich hochgepegelt und laute runtergepegelt werden, insgesamt sollte aber ein gleichmäßiges Niveau angestrebt werden. Schlimmer als verrauschte Aufnahmen sind Aufnahmen, bei denen sich die Tonqualität ständig ändert, weil etwa unterschiedlich gute Mikrofone verwendet wurden.

An Hilfsmitteln führt leider kein Weg vorbei

Nun ist es bei der Bandbreite an Sinneseinschränkungen schlicht nicht möglich, eine Lösung zu schaffen, die allen gerecht wird. Ich wiederhole das noch mal: Es ist nicht möglich, eine Lösung zu schaffen, mit der alle zurechtkommen. Zwei Aspekte helfen uns aus dieser Klemme.
Das ist zum Einen die Anpassbarkeit zumindest auf digitalen Interfaces. Die Schrift muss nicht riesig sein, aber es muss einfach möglich sein, sie zu vergrößern oder zu verkleinern oder vielleicht auch Kontraste einzustellen. Mit einfach meine ich, das solche Möglichkeiten zu jederzeit aktivierbar sein sollen.
Zum Zweiten sind das die Hilfsmittel. Da es schlicht nicht möglich ist, alle möglichen Größen bzw. Lautstärken anzubieten, führt kein Weg an passenden Hör- bzw. Vergrößerungshilfen vorbei. Dabei ist es wünschenswert, dass diese Geräte besser in der Lage sind, sich automatisch an die Gegebenheiten anzupassen.

Das Ende der Selbstgespräche – Engagement jenseits ausgetretener Wege

Inklusions-Konferenz ist, wenn immer die gleichen Leute über immer die gleichen Dinge reden und die immer gleichen Appelle an Leute richten, die davon aber nichts mitbekommen, weil sie nicht da sind. Doch es geht auch anders. Hier meine Ideen, wie wir andere Leute erreichen und aufhören, Selbstgespräche zu führen.

Raus aus dem eigenen Dunstkreis

Fach-Veranstaltungen zum Thema digitale Barrierefreiheit gibt es immer weniger. Schade für die Community, für die der Austausch natürlich wichtig ist. Andererseits verschafft uns das Zeit, auch aus dem eigenen Dunstkreis zu treten. Es gibt zahllose Veranstaltungen zum Thema Internet, auf denen wir Präsenz zeigen können.
Nach dem Motto, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, sollten wir auf diese Veranstaltungen gehen und für unsere jeweiligen Themen werben. Wichtig ist dabei, auf Augenhöhe und nicht mit erhobenem Zeigefinger mit den Menschen zu sprechen.
Nicht zu vernachlässigen ist dabei, dass man natürlich kompetent über das jeweilige Thema sprechen können muss. Wenn ich keine Ahnung etwa von eCommerce und deren Fragestellungen habe, kann ich mit den verantwortlichen Personen auch nicht kompetent sprechen. Last not least ist das persönliche Auftreten wichtig. Wir sind keine Bitt-Steller und wenn sich jemand nicht für unser Thema interessiert, müssen wir damit leben. Und auch was das Äußere angeht, sollten wir uns anpassen. Wer in Schlabber-Jeans auf den Anzugträger trifft, wird vom Letzteren leider nicht ernst genommen.
Daneben diskutiere ich recht viel in Facebook-Gruppen zu anderen Themen mit. Gelegentlich kommen dort auch Fragen zum Thema Inklusion oder Barrierefreiheit auf. Ich gebe dann auch meinen Senf dazu. Ich äußere mich aber auch zu anderen Themen, wenn ich etwas zu sagen habe.

Mal andere Leute ranlassen

Wie in den Polit-Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen sieht man auch in den üblichen Diskussionsrunden immer die gleichen Personen. Vielleicht ein Dutzend Nasen dürfen die gesamte Behinderten-Szene vertreten. Und das auch bei fachspezifischen Themen, zu denen sie sich eigentlich nicht im Detail kompetent äußern können. Ich nenne sie gerne die Alphas. Es gibt aber für jeden Bereich kompetente behinderte Menschen, die sich fachspezifisch äußern können und auch sprechfähig sind. Es liegt in der Verantwortung der Alphas, auf diese Personen zu verweisen statt jedes Podium für sich selbst zu beanspruchen.
Nicht zuletzt werden Fach-Kollegen in Fachkreisen ernster genommen als Universalisten. Also Leute, die über alles ein wenig wissen, aber eigentlich keinen vertieften Einblick haben. Ich selbst habe ein wenig im Kulturbereich gearbeitet, kann aber nur theoretisch über die Erwartungen im Kulturbereich an Barrierefreiheit sprechen. Eine entsprechende Einladung würde ich nicht annehmen, sondern auf meine kompetenten kulturschaffenden Kollegen verweisen.

Mit anderen Themen verknüpfen

Die Themen Barrierefreiheit und Inklusion sind vielfältig mit anderen Themenbereichen verknüpft: Sei es Alter, Gebrauchstauglichkeit, Mobilität und vieles andere.
Indem wir diese Verknüpfungen herstellen, können wir die Leute, die sich für diese Themen interessieren auch für das Thema Behinderung anspitzen. Ein Koch interessiert sich etwa wahrscheinlich dafür, wie ein Blinder kocht. Ein Mobilitätsexperte sucht vielleicht gerade nach Leuten, denen er spezifische Fragen stellen kann, ohne ihnen 100 Euro die Stunde zu zahlen.
Auch hierfür verweise ich auf spezielle Veranstaltungen, Diskussionsgruppen im Internet und Ähnliches.
Entscheidend ist, dass man nicht in der eigenen Komfortzone verbleibt, sondern einmal nach links und rechts schaut.

Bildschirm-Lesegerät im Eigenbau

Ich bin ja ein Freund einfacher und alltagstauglicher Lösungen. Hilfsmittel sind in der Regel teuer und unpraktisch. Heute erzähle ich euch, wie ihr das iPhone oder ein anderes Smartphone in ein einfaches Bildschirm-Lesegerät umwandeln könnt.
Ein Bildschirm-Lesegerät ist ein Gerät, mit dem Sehbehinderte sich Texte elektronisch vergrößert anzeigen lassen können. In der Regel besteht es aus einer Kamera-Einheit, einem Wagen, auf dem die Texte unter der Kamera bewegt werden sowie einem Bildschirm, auf dem die vergrößerten Inhalte ausgegeben werden. Zudem gibt es neben der Vergrößerungsfunktion die Möglichkeit, die Farbkontraste einzustellen.
Wir brauchen – Überraschung ein iPhone. Es geht auch jedes andere Gerät, das über eine gute Kamera und integrierte, dauerhaft aktivierbare Beleuchtung verfügt. Web-Cams scheiden aus, wenn sie keine eigene Beleuchtung mitbringen. Gebraucht wird außerdem ein möglichst schwenkbarer Halter für das Lesegerät, etwa eine Handy- oder Tablethalterung mit Schwanenhals. Wichtig ist, dass die Halterung die Kamera und den Blitz nicht verdeckt.
Das Gerät wird also wie gehabt in die Halterung eingespannt und über dem Lesestück positioniert. Da sich das Gerät mit der Halterung verschieben lässt, brauchen wir keinen beweglichen Wagen für das Lesegut, wie es bei Bildschirm-Lesegeräten üblich ist.
Als Lese-App wird die integrierte Kamera genutzt. Für die Beleuchtung schalten wir die Taschenlampe des iPhones ein. Mit den Filtern der Kamera-App können wir auch beeinflussen, wie das Bild dargestellt wird. Es gibt etwa einen Schwarz-Weiß-Filter, der die Farben reduziert und so Fließtext besser erkennbar macht.
Mit entsprechenden Komponenten lässt sich das Bild natürlich auch auf einen größeren Monitor übertragen. Da die iPhones in der Regel die bessere Kamera haben, lässt sich das Lesegut auch auf ein iPad übertragen, das hat ein größeres Display.
Cool wären Filter oder eigene Apps, mit denen sich der Schrift-Kontrast noch besser anpassen lässt. Die App könnte zum Beispiel auch automatisch Text erkennen und ihn noch schärfer stellen. Wenn man ohnehin schlecht lesbaren Text hat, hilft die Vergrößerung oft nicht weiter, weil sie auch die Unschärfe vergrößert.
Doppelt cool wäre eine Anwendung, die Text auch von nicht-flachen Elementen wie Dosen so erscheinen lassen könnte, als ob es sich um eine normale Papierseite handeln würde, also quasi die Krümmung entfernen. Das ist nämlich eines der Haupt-Ärgernisse, zu kleiner Text auf einer ungeraden Oberfläche mit schlechtem Kontrast. Solche Apps sind mir leider nicht bekannt.
Geht es um kürzere Texte, sagen wir ein paar Seiten, ist es einfacher, einfach ein Foto vom Lesegut zu machen. Das Foto lässt sich bequemer zoomen als eine Live-Ansiicht. Spezielle Texterkennungs-Apps können den erkannten Text gleich mitumwandeln und erleichtern so das Lesen und scrollen.

Android für Blinde – der Einstieg

Android ist eine Alternative zu iOS. In diesem Beitrag möchte ich wechselwilligen Blinden eine kleine Hilfe geben. Welche Screenreader Blinde nutzen. Möchten Sie TalkBack als Sehender nutzen?.
Enttäuscht hat mich das Android-One-Programm: Es wurden schnelle Updates versprochen, aber das neue Android 10 wird für mein Gerät frühestens im Frühjahr 2020 kommen, also mit einigen Monaten Verspätung. Was soll noch mal der Vorteil gegenüber anderen Nicht-Google-Handys sein? Mittlerweile würde ich kein Android-One-Gerät mehr empfehlen, sondern nur noch die Google-Pixel-Geräte, auch dort sind teils günstige Geräte zu finden. Im Großen und Ganzen wirkt TalkBack eher wie ein externer Screenreader, zusammengefrickelt und nicht vollständig ins Betriebssystem integriert. Es schleichen sich immer wieder schwerwiegende Fehler ein, die Teile des Smartphones unbenutzbar machen. Ich muss leider sagen, dass es Google nicht gelungen ist, TalkBack systematisch weiterzuentwickeln. Google scheint sich im Grunde nicht für Barrierefreiheit zu interessieren. Ich kann keinem Blinden guten Gewissens ein Android-Gerät empfehlen.
Zwar ist VoiceOver sauberer implementiert und es gibt mehr barrierefreie Apps für Blinde im Apple-Universum. Doch es bleibt der hohe Anschaffungspreis, die Probleme eines geschlossenen Systems und die ziemlich unverschämten Preise für simpelstes Zubehör.
Nebenbei bemerkt hat VoiceOver auch seine Macken, die es seit Jahren mitschleppt. Dazu gehört, dass der Cursor häufig auf das erste Element zurückspringt, obwohl man bereits ein anderes Element fokussiert hat.

Empfehlenswerte Geräte

Wer mit einem Android-Gerät liebäugelt, sollte nicht das billigste nehmen. Die Performance des Geräts sowie die Qualität des Touchscreens – sprich die Berührungsempfindlichkeit – macht relativ viel aus, für Blinde sowieso. Es macht keinen Sinn, ein 100-Euro-Android mit einem 600-Euro-Iphone zu vergleichen.
Ein Vorteil von Android ist, dass der Screenreader Talkback unabhängig vom Betriebssystem aktualisiert werden kann. Das heißt, selbst bei einem veralteten Android kann Talkback noch eine Zeitlang upgedatet werden. Bei iOS sind VoiceOver-Updates an das Betriebssystem gebunden. Mein iPhone 6 erhält keine Updates für iOS mehr, ebenso ergeht es VoiceOver.
Dennoch empfehle ich dringend ein Gerät, welches zum Zeitpunkt des Kaufes mindestens noch zwei Jahre Updates erhält. Derzeit versprechen das vor allem die Geräte, die von Google selbst angeboten werden. Daneben verspricht Motorola für die Moto-Reihe Updates. HDM hat die Markenrechte an Nokias Smartphone-Sparte und bietet mit den Geräten Nokia 3, 5, 6 7 und 8 teils sehr preiswerte Geräte und verspricht zeitnahe Updates. Die letztgenannten scheinen mir deshalb am empfehlenswertesten. Wie gesagt sind hier die teureren Geräte mit besseren Displays zu empfehlen. Alternativ könnt ihr nach Geräten mit Android One Ausschau halten. Es handelt sich dabei um Android, wie es von Google selbst angeboten wird ohne teils sinnfreie und vor allem nicht-barrierefreie Erweiterungen. Zudem verspricht Android One schnelle Updates für zwei Jahre sowie Sicherheits-Updates für drei Jahre.
Bezüglich der Samsung-Geräte wird unterschiedliches berichtet. Samsungs eigener Screenreader scheint einige Vorzüge zu haben, wird aber alles in allem nicht so dynamisch weiterentwickelt wie TalkBack.
Dringend abraten möchte ich vom Amazon Fire-Tablet. Ich hatte hier den 7-Zöller aus 2016 in Gebrauch mit einem veralteten Android 5.1.1, einem miserablen Screenreader und einer schlechten Performanz. Das Gerät taugt bestenfalls dazu, die Amazon-Dienste zu nutzen. das geht aber auch mit jedem anderen Tablet.

Talkback Einschalten

Leider gibt es bei Android keine einheitliche Möglichkeit, um Talkback beim ersten Gerätestart zu aktivieren. Am häufigsten ist, zwei Finger auf den Screen zu legen und zu warten, bis Talkback gestartet ist.
Es kann passieren, dass Talkback auf Englisch redet, aber die Oberfläche Deutsch ist. Das war bei meinem Motorola G2 der Fall. Wegen solcher Probleme empfehle ich, Talkback mithilfe eines sehenden einzurichten, bis alles eingerichtet ist und das Gerät auf Deutsch quatscht. Ist das Gerät einmal eingerichtet, sollte TalkBack automatisch Deutsch sprechen, ansonsten geht einmal in die Stimm-Einstellungen.
Bei TalkBack gibt es ein Lernprogramm für die Gesten. Dies kann man am Anfang durchlaufen, kann es aber auch später durchführen.
Die Erkundung des Bildschirms erfolgt ebenso wie beim iPhone durch einfaches Streichen über den Bildschirm. Der Aufbau entspricht dem iPhone: Oben die Statuszeile, darunter die Apps, unten das Dock mit den Apps, die auf jeder Site angezeigt werden, darunter die Schaltflächen für zurück, Startseite und der App-Switcher.
Mit einem Wisch von links nach rechts wechselt ihr zwischen einzelnen Apps, Buttons und anderen Elementen.
Mit einem Wisch von oben nach unten oder von unten nach oben wechselt man die Lese-Einheit, ähnlich wie beim iPhone der Rotor.
Die Talkback-Einstellungen erreicht man am schnellsten über das globale Kontextmenü mit der L-Geste, den Finger von oben nach unten und nach rechts ziehen. Dort findet man auch wichtige Befehle wie von oben an lesen oder vom nächsten Element an lesen. Nebenbei gesagt finde ich das einsteigerfreundlicher als bei iOS, wo es solche visuellen Menüs kaum gibt. Geübte Nutzer werden aber eine Geste für solche häufig gebrauchten Aktionen vorziehen. Das lässt sich in TalkBack in den Einstellungen selbst konfigurieren.
Die Mainstream-Apps wie Google Maps, WhatsApp und Facebook sind ähnlich nutzbar wie bei iOS. Generell findet man auch bei Apps, die eigentlich barrierefrei sein sollten bei Android häufiger unbenannte Elemente. Ob das an Android oder an der Unachtsamkeit der Entwickler liegt, kann ich nicht sagen. Auch blindenspezifische Apps wie Blindsquare oder Ariadne sind eher bei iOS zu finden. Dennoch ist die Auswahl an Hilfs-Apps auch bei Android nicht schlecht: Es gibt Via opta NAV, Farberkennungs-Apps oder die DZB-App der Hörbücherei zur Ausleihe von Hörbüchern. Eine Alternative zu Microsofts App SeeingAI ist Envision AI. Wer auf spezielle Hilfs-Apps angewiesen ist, sollte prüfen, ob es bei Android brauchbare Alternativen gibt. Oder beide Systeme parallel benutzen.
Mit der kostenlosen App Audex lassen sich Buttons beschriften. Diese Beschriftungen können online zur Verfügung gestellt werden, so dass sie auch anderen blinden Android-Nutzern zur Verfügung stehen. Vielleicht ist das auch eine schnelle Möglichkeit für Entwickler, ihre App kurzfristig barrierefrei zu machen. TalkBack selbst bietet die Möglichkeit, unbeschriftetete Elemente zu beschriften.
Mit der App BrailleBack kann eine Bluetooth-Braillezeile gekoppelt werden. Meine Braillezeile wurde auf Anhieb erkannt.

Informationsquellen zu Android für Blinde

Google stellt mittlerweile ausführliche Informationen zu TalkBack auf Deutsch bereit.
Es gibt eine deutschsprachige Android-Mailingliste sowie diverse WhatsApp-Gruppen. Wer Englisch kann, sollte sich die Mailingliste „EyesFree“ anschauen, sie dreht sich um TalkBack. Zu beachten ist allerdings, dass diese Mailingliste sehr aktiv ist, manche mögen das ja nicht.
Das BFW Würzburg bietet eine Liste von Apps für Blinde als PDF.
Barrierefreiheit bei Google.

Mein Rückblick auf das Camp Nimm

Am 14.9. hat das erste Barcamp zum Thema Inklusive Medienarbeit stattgefunden. Hier kommt mein kleiner Rückblick.
Die Lokation war die Jugendherberge in Düsselldorf. Für eine Jugendherberge wirkte das Gebäude recht modern. Vielleicht sind aber auch meine Vorstellungen von Jugendherbergen veraltet. Bleibt nur noch der Rückblick auf die von mir besuchten Sessions.
Ich selbst habe eine kleine Session zum Thema barrierefreies Internet abgehalten. In meinen eigenen Sessions finde ich es immer interessant zu erfahren, warum die Teilnehmer kommen und welche Fragen sie mitbringen. In der Regel kommen sie tatsächlich dann, wenn sie das Thema Barrierefreiheit aktuell und konkret betrifft. Was ich nicht so kritisch finde. Es gibt vieles, mit dem man sich beschäftigen muss und das auf Vorrat zu tun bringt meistens nichts. Als Fazit meiner Session kann man sagen, dass Barrierefreiheit im Internet sich mit relativ geringen Ressourcen umsetzen lässt. Dazu werdet ihr in nächster Zeit noch von mir hören.
Session Nr. 2 von Cinderella Glücklich drehte sich um die Arbeit von Leidmedien. Als Erkenntnis nehme ich mit, dass es da noch viel zu tun gibt und dass es wichtig ist, als Behinderter mehr mit den Medien in Kontakt zu treten, um sie auf Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Das Ganze sollte respektvoll erfolgen und nicht in Shitstorm-Manier.
Die dritte Session vom Projekt barrierefrei kommunizieren drehte sich um die Arbeit mit jungen Geflüchteten. Wenn ich Notizen gemacht hätte, könnte ich jetzt auch ein Fazit ziehen.
Barcamps zum Thema Inklusion sind ja fast ein Klassentreffen. Es ist immer schön, alte Bekannte wieder zu treffen und da ist ein Barcamp einfach die perfekte Gelegenheit.
Gut gefallen hat mir, dass das Thema Inklusion nicht nur in Bezug zu Behinderung gefasst wurde. Auch Flüchtlingsarbeit wurde explizit genannt, doch geht es bei Inklusion generell um den einbezug benachteiligter Gruppen in die Gesellschaft. Und die Methoden unterscheiden sich in der konkreten Arbeit nicht so stark.
Leider wurde nur wenig getwitter. Bei meinem Notebook war der Saft alle und auf dem Smartphone kann ich nicht gut tippen, ansonsten hätte ich auch mehr getwittert. Aber durch die Etherpads ist ja quasi eine alternative Dokumentation entstanden.
Insgesamt hat mir das Barcamp gut gefallen und ich freue mich, wenn es eine zweite Auflage gibt.

Ein kleiner Rückblick auf das Care Camp 2017

Was macht jemand, der relativ wenig mit dem Gesundheitswesen zu tun hat auf einem Barcamp, das sich genau um dieses Thema dreht? Das habe ich mich auch gefragt. Und auf eine konventionelle Konferenz zu diesem Thema wäre ich auch sicher nicht gegangen. Aber bei Barcamps ist alles anders.
Das Coole an Barcamps ist, dass man immer mit Leuten zusammen sitzt, die sich genau in diesem Moment für genau dieses Thema interessieren. Wer schon mal in die gelangweilten Gesichter von Konferenzteilnehmern geblickt hat weiß, was ich meine.
Hier ein kleiner Rückblick auf die Sessions, die ich besucht habe.
Der erste Beitrag drehte sich um das Thema eHealth. Hier wurden alle möglichen Themen diskutiert, wobei wir uns nicht einig darüber waren, was eHealth eigentlich ist bzw. nicht ist. Es wurde über alle möglichen Themen diskutiertl Ein etwas stärkerer Fokus auf ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Aspekt hätte der Diskussion nicht geschadet. Leider weiß ich nicht, wer die Session veranstaltet hat.
Session Nr. 2 drehte sich um das Thema Storytelling in der Medizin. Es ging um die Frage, wie Patientengeschichten dazu beitragen können, dass sich die Situation der Patienten im Gesundheitssystem verbessert. Sessiongeber war das Storyatelier.
Session Nr. 3 wurde von einem gewissen Domingos de Oliveira angeboten. Thema der Diskussion war die Situation Behinderter im Gesundheitssystem. Hier war interessant, die unterschiedlichen Problemlagen zu sehen. Domingos verwies darauf, dass ein behinderter Patient als Ausnahme gesehen wird. Und das, obwohl ein Großteil der Patientenältere Menschen sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens eine Einschränkung haben. Einer der Teilnehmer verwies darauf, dass die Krankenhäuser tatsächlich nur darauf eingerichtet sind, eine einzige Erkrankung zu behandeln. Das System sei nicht dafür geeignet, eine Person zu betreuen, die von mehreren Erkrankungen betroffen ist.
Domingos meint, dass man so weit kommen müsse, dass eine Behinderung nicht mehr als Ausnahme, sondern als Normalfall angesehen wird. Leider hat er nicht näher ausgeführt, was er damit meint.
Interessant war auch der Bericht eines Vaters von zwei Kindern mit Down-Syndrom. Seine Tochter hatte eine Zeit lang in einem Altersheim gearbeitet. Es wäre eigentlich wünschenswert, dass mehr behinderte Menschen im Gesundheitswesen arbeiten.
Sein Sohn hat eine stärkere Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit, so dass er bei Erkrankungen immer begleitet werden muss, damit die Eltern für ihn übersetzen. Das ist leider ein Problem, mit dem viele Eltern beschäftigt sind, die sich um ihre erwachsenen Kinder kümmern. Was passiert, wenn die Eltern selbst nicht mehr dazu in der Lage sind?
Auch sind die Krankenhäuser nicht darauf vorbereitet, eine Begleitperson ohne Mehrkosten aufzunehmen. Bei kleinen Kindern ist das zwar keine Seltenheit. Aber eine Person, die auf ständige Unterstützung angewiesen ist, hat große Probleme, ihre Begleitperson mitzunehmen. Aber jeder kennt die Situation in Krankenhäusern, die Schwestern und Pfleger sind selten dazu in der Lage, mehr als das Minimum zu leisten. Die Personaldecke ist zu dünn.
Wie immer gab es Sessions, die ich gern besucht hätte, leider hat der Trick mit der Aufteilung auf mehrere parallele Sessions nicht funktioniert. Es gab eine Session zur automatischen Erkennung von Emotionen sowie eine Session, in der eine Person über ihren Suizid-Versuch und die Folgen berichtete.
Insgesamt war es ein sehr spannendes Barcamp mit einer guten Themenmischung. Mein Dank geht an die Organisatoren für den reibungslosen Ablauf.

Life Hacking: So schaffst Du es, früh aufzustehen

Die Einen hüpfen putzmunter um 6 aus dem Bett, die anderen frühstücken um 12 Uhr. Doch was ist, wenn man richtig früh aufstehen muss? Das klappt nur, wenn man es nicht muss oder? Früh heißt, sagen wir mal 3 oder gar 2 Uhr. Vielleicht möchtest Du den ersten Zug oder Flug erwischen, musst Dich noch auf eine Klausur oder eine Veranstaltung vorbereiten.

Koffein

Kaffee ist natürlich das universelle Heilmittel. Doch um ihn zu trinken, muss man erst mal wach sein. Und selbst dann dauert es einige Zeit, bis er wirkt. doch Kaffee kann auch helfen, wenn man früh aufwachen möchte.
Der Trick besteht darin, bereits am Vortag eine große Menge Kaffee bzw. Koffein zu sich zu nehmen. Das funktioniert nur, wenn man nicht schon große Mengen Koffein gewöhnt ist. In diesem Fall kann das Koffein seine Wirkung nicht entfalten. Ist man jedoch nicht an Kaffee gewöhnt, funktioniert das ganz gut.
Dabei ist weniger die Menge entscheidend als der Zeitpunkt, zu dem man es zu sich nimmt. Zwei bis drei Tassen am frühen Abend reduzieren das Schlafbedürfnis nachhaltig.
Eine sinnvolle Alternative zu Koffein aus Kaffee sind Koffeintabletten. Diese kann man über eBay relativ günstig beziehen. Sie erleichtern das genaue Dosieren des Koffeins und sind natürlich auch schneller runtergespült.
Schwarzer oder grüner tee sowie Mate sollten eine deutlich angenehmere Wirkung als Kaffee haben. Das werde ich beim nächsten Mal ausprobieren.

Essen

Eine Alternative zum Kaffee ist Essen. Wichtig ist dabei, eine große Menge Essen vor dem Schlafengehen zu sich zu nehmen, also am besten nach 20 Uhr. Fett und Kohlenhydrate scheinen dabei stärker zu wirken als Eiweiß. Das Ganze hält den Stoffwechsel auf Trab und sorgt für einen Energieschub am Morgen. Auch das wirkt natürlich nur, wenn man nicht schon an große Essensmengen und abendliches Essen gewöhnt ist.
Zugegeben, das ist nicht die gesündeste Variante. Aber man macht das ja auch nicht jeden Tag.

Ich bin behindert – Ihr enthindert mich