Warum ich den Begriff people of color ablehne

Eine Gruppe unterschiedlichfarbiger stilisierter Personen mit einem RollstuhlNeuerdings begegne ich immer mehr Texten, die den Terminus „person of color“ oder „people of color“ verwenden. Gemeint sind nicht Anstreicher, Lackierer oder Maler, sondern Personen, die nicht weiß sind.
Anscheinend versuchen die Klassensprecher unserer nicht existenten Community, die Diversity-Aktivisten und einige Anti-Rassismus-Organisationen, den Begriff in Deutschland zu verankern – wie es aussieht mit Erfolg. Im Folgenden erfahren Sie, warum Sie diesen Begriff nicht verwenden sollten.

Die Banalisierung rassistischer Erfahrungen

Job nicht bekommen, Wohnung nicht bekommen, bespuckt und beleidigt worden, unfreiwillig geduzt worden, schräg angeguckt worden, angeblich als Feigenblatt mißbraucht worden – rassistische Erfahrungen können vielfältig sein. Auffällig an vielen Artikeln aus diesem Bereich ist jedoch, dass die Verfasser oft über eher banale Ereignisse berichten, die sich so oder so interpretieren lassen. Man wählt aber gerne die Interpretation, die für das Gegenüber am ungünstigsten ist.
Das hat zur Folge, dass faktische rassistische Erfahrungen banalisiert werden. Ich finde meine Erfahrungen in keiner der Artikel der Verfasser wieder. Das Problem mit dem De-Konstruktivismus, ich schilder es weiter unten genauer, ist aber auch, dass im Prinzip alles als rassistisch gewertet werden kann. Wer sagt, Schwarze seien etwas Besonderes ist ein Rassist. Wer sagt, Schwarze seien nichts Besonderes ist ein Rassist. Wer Schwarze sagt ist ein Rassist, denn er fasst eine heterogene Gruppe mit einem oberflächlichen Merkmal zusammen. wer sagt, Schwarze seien nichts Besonderes, weil er deren kulturelle Identität leugnet. Im Grunde lässt sich wirklich jeder Text so dekonstruieren, dass der Autor zu einem Rassisten gemacht wird.

Die Nicht-Gruppe der Farbigen

Ich bin kein Freund von Verneinungen, man sollte zeigen, was man ist, nicht, was man nicht ist. Stellt euch vor, die Heterosexuellen gründen den Club der Nicht-Schwulen,.
Das versuchen die POC -Aktivisten. Aber Inder haben mit Chinesen, Arabern, Schwarzafrikanern und so weiter nichts gemeinsam: Nicht die Herkunft, nicht die Hautfarbe und auch nicht die Rassismus-Erfahrung.
Gegenüber Ostasiaten gibt es eher positive Vorurteile wie Fleiß, Leistungsbereitschaft und Höflichkeit. Gegenüber Menschen aus Nahost oder Nordafrika gibt es andere Vorurteile als gegenüber Schwarz-Afrikanern. Mit people of color wird eine Gemeinschaft konstruiert, die es einfach nicht gibt.
In meinem Mutterland Indien gibt es den härtesten Rassismus überhaupt: Die Inder sind ein Volk, welches die Hellhäutigkeit vergöttert. Je heller du bist, desto besser sind deine Chancen, einen Job, eine Wohnung oder einen Ehepartner zu bekommen. Ein Mensch mit meinem Teint dürfte in Indien Latrinen putzen, unabhängig davon, ob ich ein Studium habe oder nicht. In vielen asiatischen Staaten gilt ein heller Teint als attraktiv.

Wird Rassismus gegen Weiße geleugnet?

So ziemlich jede weiße Frau kann über rassistische Beleidigungen gegen sich berichten. Wer diesen Fakt leugnet, ist ein Heuchler bzw. tut das, was vielen Weißen vorgeworfen wird: Er bewertet die Erfahrungen eines anderen. Es gibt aber keine Regel, wonach die RassismusErfahrungen eines Dunkelhäutigen immer authentisch sein müssen und die eines Hellhäutigen immer falsch sind. Man kritisiert, dass die eigenen Rassismus-Erfahrungen nicht ernst genommen werden und tut das Gleiche bei anderen Menschen. Da passt irgendwas nicht zusammen, man könnte von kognitiver Dissonanz sprechen.
Man leugnet also, dass es Rassismus gegen Weiße gibt, indem man sagt, alle anderen Hautfarben würden Rassismus erfahren. Oder heißt das, die Rassismus-Erfahrungen einer bestimmten Gruppe sind es weniger wert, beachtet zu werden?Das klingt mir arg nach Relativierung.

Ist weiß keine Farbe?

Der Begriff people of color verstößt gegen die sprachliche Logik: Weiß ist ebenso eine Farbe wie schwarz, rot und grün. Dass Menschen mit einer bestimmten Hautfarbe ausgeschlossen werden – öhm, hatten wir das nicht schon mal? Und natürlich dürfen sich people of non-color bitte nur positiv zu people of color äußern, Kritik ist unerwünscht – so wohl an dem Begriff als auch an den Personen, die ihn verwendet haben und schon gar nicht an den Menschen, die damit bezeichnet werden. Das ist undemokratisch, in einer Demokratie muss sich jeder und alles Kritik gefallen lassen, gerade jene, die sich für besonders moralisch halten.
Der Begriff Farbe macht im Zusammenhang mit Hautfarben überhaupt keinen Sinn: Wäre jemand so weiß wie ein Stück Papier, würde man ihn zum Arzt schicken. Aus der Perspektive eines Europäers mag ein Mensch aus Vorderasien braun sein, aus der Perspektive eines dunklen Inders ist er weiß. Ostasiaten sind nicht gelb, es sei denn, sie haben Gelbsucht. Amerikanische Ur-Einwohner sind nicht rot. Es gibt so viele Schattierungen von Hautfarben, dass das Farbkonzept hier nicht passt und eher jenen hilft, die den Rassismus fördern, indem sie banale, rein äußerlich begrenzte Kategorien schaffen.

Braucht man den Begriff überhaupt

Noch keiner konnte mir wirklich erklären, wofür man den Begriff people of color tatsächlich braucht, was also sein Mehrwert in Bezug auf Begriffe ist, die wir bereits haben.
Er stammt ursprünglich aus den USA und wurde von den Black Panthers geprägt. Die USA haben aber eine ganz andere Tradition als Kontinentaleuropa. In Deutschland gibt es wenige Schwarzafrikaner und eher Personen aus dem Nahen Osten, deren Hautschattierung nun wirklich nicht von der der Kaukasier abweicht. Mal abgesehen davon, dass auch unter Nahöstlern Rassismus gegen Dunkelhäutige weit verbreitet ist. Natürlich gab es den Terror des NSU und es gibt sicherlich Polizisten mit einer rassistischen Einstellung. Es gibt aber meines Wissens in ganz Europa keine derartige Gewaltkultur wie in den USA gegenüber Afroamerikanern. Niemand wird hierzulande erschossen, weil er zur falschen Zeit die falsche Straße entlangläuft. Was soll es bringen, Konzepte zu übernehmen, die aus einem ganz anderen Hintergrund stammen? In Wirklichkeit banalisiert das die Erfahrungen der Afroamerikaner.
Und wie oben dargestellt machen unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Rassismus-Erfahrungen. Es macht keinen Sinn, sie in einem Konzept zusammenzufassen.

Wurden wir gefragt

Ich muss die Abstimmung verpasst haben, in der geklärt wurde, dass wir jetzt so bezeichnet werden wollen. Mein Eindruck ist eher, dass sich hier ein paar gut gebildete Hellhäutige und Diversity-Menschen zusammen geschlossen haben, um diesen Begriff mit der Brechstange durchzusetzen.
Ich kenne niemanden außerhalb dieser kleinen, aber lautstarken und publikationsträchtigen Gruppe, die diesen Begriff für sich oder andere verwenden würden. ES sind diese typischen semantischen Spielereien von Leuten, die offenbar keine richtigen Probleme haben. Ihr dürft euren Begriff gerne für euch verwenden. Aber einen Begriff auf andere anzuwenden, die wider Willen dadurch in eine Gruppe gesteckt werden, hm, das hatten wir doch auch schon mal. Ich bin dunkelhäutig, aber keine person of color. Ich lege keinen Wert darauf, wegen meiner Hautfarbe besonders freundlich oder unfreundlich behandelt zu werden.

Warum hört man nicht mehr Beschwerden von anderen POCs?

Nun bin ich eine einzelne Stimme, vielleicht sieht das der Rest der Colored anders? Das ist möglich, immerhin habe ich noch keine Abstimmung durchgeführt.
Es ist allerdings unwahrscheinlich. Andere Personen aus dieser Gruppe schütteln wahrscheinlich nur den Kopf über diese Personen, die offenbar nichts Besseres zu tun haben, als neue Begriffe für nicht existente Gruppen zu erfinden. Abgesehen davon sind die akademisch verbrämten Texte, die von den Befürwortern dieser Begriffe kommen für Normal-Sterbliche unverständlich.

Ein Irrweg der Geisteswissenschaften

Wer sich fragt, wo all diese Begriffsschöpfungen her kommen – es sind die Kinder der fanzösischen Strukturalisten, allen voran Jacque Derrida. Derrida hatte eine wahre Freude daran, die Sprache zu dekonstruieren und die Worte auf ihre wahre Bedeutung zurückzuführen. Ihm haben sich eine Reihe von Sozial- und Politikwissenschaften insbesondere in der Feminismus-, Rassismus- und Behinderungs-Forschung angeschlossen. Warum – das bleibt deren Geheimnis.
Und viele von diesen Personen spielen heute in der publizierten Öffentlichkeit eine große Rolle. Zuletzt machte das Framing große Furore, ein weiteres Konzept, dessen Bedeutung weit überschätzt wird von Leuten, deren wesentliches Werkzeug das Wort ist, die aber offenbar außerhalb elitärer Zirkel keine Ahnung von der Anwendung von Sprache haben.
Sie überschätzen daher die Verwendung bestimmter Begriffe und deren Folgen. Das wäre nicht schlimm, wenn sich ihr Tun nicht vollständig in diesen semantischen Spielereien erschöpfen würde. Frei nach dem Motto: Wir haben die Sprache geändert und damit ist der Rassismus zu Ende. Wenn es euch ernst wäre mit eurem Anti-Rassismus, würdet ihr euch anders verhalten.

Doppelte Standards: Konstruierter Rassismus und offene Behinderten-Feindlichkeit

Hier gibt es ein interessantes Beispiel für Doppelstandards: Angeblicher Rassismus wird verurteilt, wobei man gleichzeitig Blindheit mit Dummheit und Ignoranz gleichsetzt. Behinderten-Feindlichkeit bei Noizz.de. Noizz findet es trotz meiner diversen Hinweise in Ordnung, blinde Menschen als ignorant und dumm zu bezeichnen und das in einem Artikel, der angeblich anti-rassistisch sein soll.

Ich bin behindert – Ihr enthindert mich